Zen und Kampkunst

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Chan Praxis

Viele Leute beginnen die Chan-Praxis, indem sie denken: ‚Nun, wenn alles eine Illusion des Maya oder des Samsara ist, spielt es keine Rolle, was ich tue oder wie ich es tue. Wenn es weder Gut noch Böse gibt, kann ich tun, was ich will.’ Es spielt aber eine Rolle, was wir tun. Chan ist ein Zweig der buddhistischen Lehre und als Buddhisten müssen wir uns an ethische Regeln halten. Samsara oder nicht, wir gehorchen den Regeln. Außerdem folgen wir den strikten Vorschriften der Disziplin, die unsere Praxis beherrscht.

Beginnen wir also mit den Vorschriften für das Trainieren:

Es gibt viele verschiedene Methoden, die man benutzen kann. Bevor wir jedoch einige von ihnen kennen lernen, muss der oder die Übende vier grundlegende Anforderungen erfüllen.

Sie oder er muss:

    das Gesetz der Kausalität verstehen
    die Regeln der Disziplin akzeptieren
    ein unerschütterliches Vertrauen in das Gesetz Buddha-Natur haben
    vom Erfolg überzeugt sein, egal welche Methode gewählt wird.

Ich werde jede dieser vier Voraussetzungen erläutern.

Die erste, das Gesetz der Kausalität, sagt einfach, das Böses ebenso Böses bewirkt und Gutes das Gute. Ein giftiger Baum trägt giftige Früchte und ein gesunder Baum genießbare. Eigentlich scheint das sehr einfach zu sein, aber tatsächlich ist das eine sehr komplexe Angelegenheit.

Böse Taten sind wie schlechte Investitionen. Sie garantieren am Ende die Rückgabe von Schmerz, Verbitterung, Angst und Gewissensbissen. Taten, hervorgerufen durch Gier, Wollust, Zorn, Stolz, Faulheit oder Neid versprechen ebenso wenig Gewinn. Alle diese Motivationen dienen nur den Bestrebungen des Ich. Böse Taten können niemals die geistige Vollkommenheit fördern. Sie garantieren allein geistige Armut.

Auf der anderen Seite bringen gute Taten – vorausgesetzt sie sind nicht berechnend vollbracht als eine Investition, die sich in der Zukunft auszahlt- Frieden und Erfüllung. Eine selbstlose Tat unterscheidet sich von einer geplanten guten Tat. Oberflächlich betrachtet, mag sie dieselbe sein: Es wird Hilfe gewährt oder Freundlichkeit geschenkt. Aber der Mensch, der einem anderen hilft und dabei heimlich erwartet, deshalb in der Zukunft einen Vorteil zu erlangen, der tut Böses, nicht Gutes. Das will ich näher erläutern:

In China lebte einmal ein Prinz, der Vögel liebte. Wann immer er einen verletzten Vogel fand, fütterte er ihn und pflegte ihn gesund. Dann, wenn der Vogel wieder bei Kräften war, ließ er ihn mit großer Freude frei. Natürlich wurde er sehr bald als liebevoller Heiler verwundeter Vögel bekannt. Immer, wenn ein verletzter Vogel in seinem Königreich gefunden wurde, brachte man ihn schnell zu ihm und der Prinz zeigte den umsichtigen Menschen dafür seine Dankbarkeit.

Aber bald begannen die Leute Vögel zu fangen, sie absichtlich zu verletzen und sie um der Belohnung willen in den Palast zu bringen. Die Folge der Gefangennahme und der Verstümmelung war für viele Vögel der Tod, so dass das Königreich eine Hölle für die Vögel wurde.

Als der Prinz sah, welches Leid seine Güte hervorrief, entschloss er sich, niemals mehr einem verwundeten Vogel zu helfen. Als die Leute bemerkten, dass es nichts mehr einbrachte, Vögeln zu helfen, hörten sie auf sie zu verletzen.

Manchmal machen wir die gleiche Erfahrungen wie dieser Prinz. Es kommt vor, dass wir glauben wir tun das Allerbeste, um dann zu unserem Kummer zu erkennen, dass wir tatsächlich den größten Schaden verursacht haben.

Vollbring’ eine gute Tat schweigend und anonym. Vergiss die Freude darüber! Eine gute Tat sollte ein sehr kurzes Leben haben und - einmal tot- schnell begraben werden. Lasst sie in Frieden ruhen. Versucht nicht, sie ständig wiederzuerwecken.

Zu oft versuchen wir eine gute Tat in einen Geist zu verwandeln, der die Menschen jagt, indem er sie - gerade wenn sie zu vergessen beginnen - an unseren Dienst erinnert.

Was geschieht aber, wenn wir der Empfänger von Freundlichkeiten sind? Nun, wir sollten versuchen, die gute Tat unsterblich zu machen. Aber die guten Taten eines anderen lebendig zu erhalten, ist sehr viel schwerer als die eigenen guten Taten zu begraben. Auch das will ich erläutern.

Es war einmal ein Lebensmittelhändler, ein freundlicher und anständiger Mann, der alle seine Kunden anständig bediente. Er sorgte für seine Kunden und wollte sie gesund und wohlgenährt wissen. Er hielt seine Preise niedrig. Deshalb verdiente er noch nicht einmal genug, um eine Hilfe für seinen kleinen Laden beschäftigen zu können. Er arbeitete schwer und ehrlich, blieb arm und war doch glücklich.

Eines Tages kam eine Kundin und erzählte ihm eine traurige Geschichte. Ihr Ehemann hatte einen Unfall. Er war verletzt worden und würde einige Zeit nicht arbeiten können. Sie hatte kein Geld, um für den Mann und die Kinder Lebensmittel zu kaufen. „Ohne Essen“, weinte sie, „werden wir alle sterben.“

Der Händler hatte Mitleid mit ihr und verlängerte ihren Kredit. „Ich werde Ihnen jede Woche Reis für sieben Tage und Gemüse für vier Tage geben. Das wird ihre Familie gesund erhalten. Wenn Ihr Mann wieder arbeiten kann, kochen sie weiter das Gleiche bis Sie Ihre Schulden bezahlt haben. Und bevor Sie es sich noch richtig bewusst sind, werden alle wieder sieben Tage in der Woche Gemüse essen.“

Die Frau war so dankbar. Jede Woche bekam sie für sieben Tage Reis und für vier Tage Gemüse. Als ihr Ehemann wieder zu arbeiten begann, musste sie sich entscheiden, ob sie ihre alten Schulden bezahlen und weiter nur an vier Tagen Gemüse essen oder lieben den Händler wechseln sollte und an sieben Tagen in der Woche Gemüse essen wollte. Sie entschied sich für Letzteres und rechtfertigte dieses Versagen, indem sie den Leuten erzählte, dass ihr früherer Händler ihr stets faules Gemüse verkauft hätte.

Wie oft geschieht es, dass wir uns etwas so verzweifelt wünschen, dass wir schwören, unser ganzes Leben dafür dankbar zu sein, wenn unser Wunsch nur in Erfüllung geht.

Aber dann, wenn wir bekommen, was wir so heiß begehrt haben, gerät unser Schwur ins Wanken und ist fast automatisch vergessen. Wir begraben ihn schnell, ohne jegliche Zeremonie. Das ist nicht der Weg von Chan.

Und wie ein Bauer, der Sojabohnen sät, nicht erwartet im Herbst Melonen zu ernten, so dürfen wir nicht erwarten geistige Reinheit zu ernten, wenn wir egoistisch, unmoralisch oder ungerecht handeln. Genauso wenig können wir uns vor unseren Missetaten verstecken, indem wir einfach den Ort verlassen, wo wir sie begangen haben. Wir können ebenso wenig damit rechnen, dass die Zeit die Erinnerung an sie auslöschen wird.

Auch wenn wir unsere Missetaten noch so lange ignorieren, dürfen wir nicht davon ausgehen, dass die Menschen, die wir verletzt haben, einen leichten Tod sterben, wenn sie unser Bedürfnis für den verursachten Schaden büßen zu müssen, mit ins Grab nehmen. Es sind unsere guten Taten, die wir begraben müssen, nicht unsere Opfer oder gebrochenen Versprechungen.

Wir dürfen nicht glauben, dass wir uns nicht für unsere Missetaten verantworten müssen, nur, weil kein Zeuge da ist, um uns darauf anzusprechen. Viele alte buddhistische Geschichten verdeutlichen dieses Prinzip. Einige meiner liebsten Geschichten werde ich Euch erzählen.

Während der Generation, die Shakyamuni Buddhas Leben auf der Erde vorausging, wurden viele seiner Shakya Gefolgsleute brutal von dem gottlosen König Virudhaka, dem sogenannten Kristallkönig, ermordet.

Warum geschieht so etwas Entsetzliches?

Nun, es war in der Nähe von Kapila, der Shakya Stadt, in der Buddha geboren wurde. Dort gab es einen großen Teich und an dessen Ufer befand sich ein kleines Dorf, an dessen Namen sich niemand mehr erinnert.

In einem Jahr gab es eine große Dürre. Die Ernte verdorrte auf den Feldern und die Dorfbewohner mussten alle Fische in dem Teich töten und zu essen. Sie fingen alle Fische, bis auf einen. Dieser letzte Fisch wurde von einem Jungen gefangen, der mit der armen Kreatur spielte, indem er den Kopf des Fisches gegen den seinen schlug. Schließlich kamen die Dorfbewohner, nahmen dem Jungen den Fisch weg und töteten ihn.

Dann gab es wieder Regen und überall im Königreich normalisierte sich das Leben wieder. Die Menschen heirateten und bekamen Kinder. Eines dieser Kinder war Siddhartha, der Buddha, der in der Stadt Kapila in der Nähe dieses Dorfes und des Teiches geboren wurde.

Siddhartha wurde erwachsen und predigte das/den ? Dharma und bekam viele Nachfolger. Unter diesen Nachfolgern war der König von Shravasti, König Prasenajit. Dieser König heiratete ein Shakya-Mädchen und die beiden bekamen einen Sohn: Prinz Virudhaka, den Kristall-Prinz.

Das königliche Paar entschied, den Prinzen in Kapila, der Buddha-Stadt großzuziehen.

Zuerst war alles in Ordnung. Prinz Virudhaka war ein gesundes Baby und es dauerte nicht lange, da wuchs er zu einem netten und starken Jungen heran. Aber noch bevor er alt genug war, die Schule zu besuchen, gab es ein bedeutsames Ereignis. Es geschah an einem Tag, an dem Buddha nicht in Kapila war. Der junge Prinz kletterte auf Buddhas Stuhl und begann dort zu spielen. Er dachte nichts Böses dabei. Er war nur ein Kind, das spielte. Aber oh, als die Gefolgsleute Buddhas den Prinzen auf dem heiligen Platz spielen sahen, wurden sie sehr böse, gaben ihm einen Verweis und zerrten ihn von dem Stuhl herunter, demütigten und bestraften ihn.

Wie kann ein Kind die Torheit dieser Eiferer verstehen? Selbst Erwachsenen können es nicht verstehen. Es ist wirklich völlig rätselhaft. Ihre Strenge diente nur dazu, den Prinzen zu verbittern und wurde die Ursache für seinen Hass auf alle Shakya Gefolgsleute. Es war ihre strenge Behandlung, die ihn dazu brachte ein Leben der Grausamkeit und der Rache zu leben.

Der Prinz, so sagt man, bestieg den Thron von Shravasti, nachdem er seinen eigenen Vater getötet hatte. Jetzt, als König Virudhaka, als Kristallkönig, war er endlich in der Lage, Vergeltung an den Shakya zu üben. Er führte seine Soldaten in einen Angriff auf die Stadt Kapila. Als Buddhas Gefolgsleute kamen, um von dem drohenden Massaker zu berichten, hatte Buddha gerade furchtbare Kopfschmerzen. Sie baten ihn, einzuschreiten und die Menschen von Kapila vor dem brutalen Angriff des Kristallkönigs zu retten. Buddha jedoch, stöhnte vor Schmerz und weigerte sich, zu helfen. „Ein bestimmtes Karma kann nicht verändert werden.“, sagte er.

Die Gefolgsleute wandten sich an Maudgalyayana, einem der einflussreichsten Schuüler Buddhas und baten ihn um Beistand. Er hörte ihre Klage und hatte Mitleid, so dass er sich entschloss, den belagerten Einwohnern von Kapila beizustehen.

Maudgalyayana benutze seine übernatürlichen Fähigkeiten. Er vergrößerte seine Wunderschale für die bedrohten Shakya und ließ fünfhundert von ihnen in die Schale klettern. Dann war er die Schale hoch in die Luft und glaubte, er habe sie in Sicherheit gebracht. Aber als er die Schale wieder verkleinerte, lagen die fünfhundert Mann tot in einem Meer aus Blut. Dieser furchtbare Anblick beunruhigte jeden, so dass Buddha sich entschloss, die Geschichte seiner Vorfahren, die alle Fische während der Dürre töteten, zu offenbaren.

„Diese plündernde Armee von Soldaten, die nun Kapila angreift, waren jene Fische.“, erklärte er. „Die Menschen von Kapila, die nun massakriert werden, waren die Menschen, die die Fische getötet haben. Der Kristallkönig selbst, war der letzte große Fisch.“ Un während Buddha ein kaltes Tuch an seine Stirn drückte, fragte er: „Und wer glaubt ihr, war der Junge, der den Fisch an seinen Kopf schlug?“

Weil sie die Fische getötet hatten, erlitten die Menschen nun den Tod. Und weil er den Kopf des Fisches verletzt hatte, wurde Buddha nun von furchtbaren Kopfschmerzen geplagt.

Und war ist mit Virudhaka, dem Kristallkönig? Er wurde freilich in der Hölle wiedergeboren.

Wie ihr seht, gibt es kein Ende von Ursache und Wirkung. Eine Ursache erzeugt eine Wirkung, die selbst zur Ursache für eine andere Wirkung wird. Aktion und Reaktion. Anerkennung und Vergeltung. Das ist das Gesetz der Kausalität. Früher oder später holen uns unsere böse Taten ein.

Die einzige Möglichkeit, diese Wirkung zu verhindern, ist es, die Ursache zu verhindern. Wir müssen lernen, zu vergeben, Kränkungen und Beleidigungen zu übersehen und niemals Vergeltung zu suchen oder Groll zu hegen. Wir dürfen nicht zu Eiferern werden, selbstgerecht und stolz auf die eitlen Absichten der Frömmigkeit. Und, vor allem müssen wir sanft sein, besonders im Umgang mit Kindern.

Lasst mich noch eine andere Geschichte über Ursache und Wirkung erzählen. Sie handelt vom Chan Meister Bai Zhang, der wirklich der Lage war, einen wilden Fuchs-Geist zu befreien. Nur sehr wenige Menschen dazu fähig!

Eines Abends, nachdem das Chan-Treffen zu Ende war und alle seine Schüler sich zur Ruhe begeben hatten, bemerkte Meister Bai Zhang, dass ein älterer Mann draußen vor der Meditationshalle herumlungerte.

Bai Zhang ging zu dem Mann und fragte: „Wen oder was suchen Sie, mein Herr?“

Der ältere Mann antwortete: „Nein, nicht „Herr“. Ich bin noch nicht einmal ein Mensch. Ich bin lediglich ein wilder Fuchs, der im Körper eines Menschen wohnt.“

Bai Zhang war natürlich sehr überrascht und neugierig. „Wie bist du in diese Lage gekommen?“, fragte er.

Der alte Fuchs-Mensch erklärte: „Vor fünfhundert Jahren war ich der Vorsteher dieses Klosters. Eines Tages kam ein junger Mönch und fragte mich: „Wenn ein Mensch Erleuchtung erlangt, ist er dann noch immer dem Gesetz der Kausalität unterworfen?“ Ich antwortete ihm kühn: „Nein. Er ist außerhalb des Gesetzes.“ Meine Strafe für diese falsche und arrogante Antwort ist es, dass mein Geist sich in den eines wilden Fuchses verwandelte und ich lief davon in die Berge. Als ein Fuchs-Mensch kann ich nicht sterben und solange meine Unwissenheit bleibt, muss ich weiter in dieser elenden Verfassung leben. Seit fünfhundert Jahren durchstreife ich die Wälder und suche nach dem Wissen, das mich befreien kann. Meister, bitte habt Mitleid mit mir und belehrt mich über die Wahrheit.“

Meister Bai Zhang sprach sanft zu dem Fuchs-Mensch: „Stellt mir die gleiche Frage, die der junge Mönch an Euch gerichtet hat und ich werde Euch die richtige Antwort geben.“

Der Fuchs-Mensch willigte ein. „Ich möchte den Meister fragen: Wenn ein Mensch Erleuchtung erlangt, unterliegt er dann noch immer dem Gesetz der Kausalität?“

Bai Zhang antwortete: „Ja. Er ist niemals frei vom Gesetz. Er darf niemals seine Augen vor den Möglichkeiten von Ursache und Wirkung verschließen. Er muss sich all seiner vergangenen und gegenwärtigen Taten bewusst sein.“

Plötzlich wurde der alte Fuchs-Mensch erleuchtet und befreit. Er war sich vor dem Meister nieder und dankte ihm überschwänglich. „Endlich“, sagte er, „bin ich befreit.“

Dann, als er im Begriff war zu gehen, drehte er sich um und fragte Bai Zhang: „Meister, weil ich ein Mönch bin, würdet Ihr mir freundlicherweise den für einen Mönch üblichen Beerdigungsritus gewähren? Ich wohne in der Nähe, in einer Höhle in den Bergen hinter dem Kloster. Dorthin werde ich jetzt gehen, um zu sterben.“

Bai Zhang war einverstanden und ging am nächsten Tag in die Berge, wo er die Höhle ausfindig machte. Aber anstatt den alten Mönch dort zu finden, sah Bai Zhang nur eine Unregelmäßigkeit auf dem Erdboden der Höhle. Er untersuchte sie mit seinem Stock und entdeckte einen toten Fuchs.

Nun, ein Versprechen ist ein Versprechen! Meister Bai Zhang vollzog die üblichen Beerdigungsriten für den toten Fuchskörper. Jeder dachte, Bai Zhang sei völlig verrückt geworden, besonders als er eine feierliche Prozession anführte – mit einem Fuchs auf der Totenbahre.

Ihr seht also, liebe Freunde, sogar das Erreichen der Buddha-Natur wird nicht vom Gesetz der Kausalität ausgenommen. Wenn sogar Buddha Kopfschmerzen erleiden muss, weil er unfreundlich zu einem Fisch war, wie sehr müssen wird dann das Prinzip beachten, dass uns eine verletzende Tat früher oder später verletzende Vergeltung bringt. Seid vorsichtig, indem war Ihr sagt oder tut! Riskiert es nicht, ein Fuchs-Geist zu werden!

Zur zweiten Anforderung im Zusammenhang mit den Regeln der Disziplin, sage ich Euch, dass es keinen geistigen Fortschritt ohne Moral und die Erfüllung religiöser Pflichten gibt. Disziplin ist das Fundament auf dem jede Erleuchtung ruht. Die Disziplin regelt unser Verhalten und macht es unveränderlich. Festigkeit wird Standhaftigkeit und das ist es, was Weisheit hervorbringt.

Die Surangama Sutra lehrt uns deutlich, dass die bloße Vollendung in der Meditation nicht unsere Unreinheit auslöschen wird. Sogar wenn wir in der Lage sind, große Gewandtheit in der Meditation zu zeigen, würden wir ohne die Einhaltung der Disziplin in Maras böses Reich der Dämonen und Ketzer fallen.

Ein Mann oder eine Frau, die fleißig die moralische Disziplin und die religiösen Pflichten beachten, werden von himmlischen Drachen und Engeln beschützt und ermutigt, genauso wie sie von den Dämonen der Unterwelt und den Ketzern überall gemieden werden.

Im Staate Kaschmir geschah es einmal, dass ein ekelhafter Erddrachen in einer Höhle in der Nähe eines Klostern von fünfhundert Theravada-Arhats lebte. Der Drache verbreitete in der ganzen Gegend Angst und Schrecken und machte das Leben der Leute elend. Jeden Tag versammelten sich die Arhats und versuchten zusammen die Kräfte kollektiver Meditation zu nutzen, um den Drachen zu verjagen. Aber sie hatten keinen Erfolg. Der Drache ging einfach nicht fort. Dann kam eines Tages ein Mahayana Chan Mönch zu Kloster. Die Arhats beklagten sich über den furchtbaren Drachen und baten den Mönch, sich ihrer Meditation anzuschließen, um so seine Meditationskräfte zu den ihren hinzuzufügen. „Wir müssen dieses Biest zwingen, wegzugehen.“, jammerten sie. Der Chan Mönch lächelte über sie und ging direkt in die Höhle des ekelhaften Drachen.

Am Höhleneingang sprach der Mönch zum Drachen: „Weiser und tugendhafter Herr, wärt Ihr freundlich genug, Euer Lager zu verlassen und eine Zuflucht an einem weit entfernten Ort zu nehmen?“

„Nun“, sagte der Drache, „weil du so höflich gefragt hast, werde ich deiner Bitte entsprechen und sogleich von hier fortgehen.“ Der Drache, wisst Ihr, hat ein feines Gespür für Etikette. Und weg war er! Von ihrem Kloster hatten die Arhats dieses Geschehen voller Staunen verfolgt. Sicherlich besaß dieser Mönch Wunderkräfte des Samadhi! Sobald der Mönch zurückgekehrt war, versammelten sich die Arhats um ihn und baten ihn, von diesen Wunderkräften zu erzählen.

„Ich praktiziere keine besondere Meditation oder Samadhi.“, sagte der Mönch. „Ich halte mich an die Regeln der Disziplin und diese Regeln machen es zur Bedingung, dass ich die geringen Anforderungen der Höflichkeit genauso beachte wie die großen Anforderungen der Moral.“

Wir sehen also, dass die kollektive Kraft von fünfhundert Arhats, die meditieren, manchmal nicht der gleicht, die einem Mönch aus dem einfachen Befolgen der Regeln der Disziplin zuwächst.

Und falls Ihr fragt: „Warum diese strenge Aufmerksamkeit für die Disziplin, wenn der Geist einen nicht beurteilbaren Status erreicht? Warum sollte ein ehrlicher und geradliniger Mensch die Chan-Praxis weiterführen? Ich würde einen solchen Menschen fragen: „Ist dein Geist so sicher, dass dein Herz unberührt bliebe, wenn die liebliche Mondgöttin herabkäme, um dich mit ihrem nackten Körper zu umschlingen?“ Und wie steht es um Euch?

Wenn jemand ohne Grund beleidigt oder schlägt, würdet Ihr keinen Zorn, keine Wut empfinden? Könnt Ihr Euch sicher sein, immer dem Drang zu widerstehen, Euch mit anderen zu vergleichen? Gelingt es Euch immer, Euch eines Urteils zu enthalten? Könnt Ihr sicher sein, das Richtige stets vom Falschen zu unterscheiden?

Nun, wenn Ihr absolut sicher seid, dass Ihr niemals in Versuchung geratet, Euch niemals irrt, dann öffnet Euren Mund und sprecht laut und deutlich. Andernfalls flüstert nicht einmal eine Lüge.

Als Empfehlung für die dritte Anforderung, nämlich einen festen Glauben in die Buddha-Natur zu haben, bedenkt bitte, dass der Glaube die Mutter, die nährende Quelle unserer Bestimmung ist, um uns Übungen zu unterziehen und unsere religiösen Pflichten zu erfüllen.

Wenn wir die Befreiung von den Geburtswehen dieser Welt suchen, müssen wir einen starken Glauben an Buddhas Versicherung haben, dass jedes Lebewesen auf der Erde Tathagata Weisheit besitzt und deshalb über das Potential für das Erreichen der Buddhaschaft verfügt.

Was hindert uns daran, diese Weisheit zu erkennen und die Buddhaschaft zu erreichen? Die Antwort ist, dass wir einfach kein Vertrauen in seine Versicherung haben. Wir bevorzugen es, diese Wahrheit nicht zu kennen, das Falsche als das Echte zu akzeptieren und unser Leben der Befriedigung all unserer Begierden zu widmen.

Das Ignorieren der Wahrheit ist eine Krankheit. Buddha lehrte, dass das Dharma wie ein Krankenhaus mit vielen Türen ist. Wir können eine von ihnen öffnen und betreten einen Ort der Heilung. Aber wir müssen Vertrauen in unsere Ärzte haben und an die Wirksamkeit der Behandlung glauben.

Wann immer Buddha die Probleme, hervorgerufen durch Zweifel und mangelndes Vertrauen zu verdeutlichen suchte, erzählte er das Gleichnis vom Arzt. Er sagte:

„Stell dir vor, du wärst durch einen vergifteten Pfeil verwundet worden und ein Freund brächte dir einen Arzt zu Hilfe. Würdest du zu deinem Freund sagen: ‚Nein! Nein! Nein! Ich erlaube nicht, dass dieser Mann mich berührt bis ich herausgefunden habe, wer auf mich geschossen hat! Ich möchte Name, Adresse etc. des Schuldigen wissen. Das ist wichtig, nicht wahr? Und ich möchte mehr über diesen Pfeil wissen. Ist die Spitze aus Stein oder Eisen, Knochen oder Horn? Und was ist mit dem hölzernen Schaft? Ist er aus dem Holz der Eiche, Ulme oder Kiefer gemacht? Was für eine Art von Sehne wurde benutzt, um die Spitze am Pfeil zu befestigen? Ist es die Sehne eines Ochsen, Affen oder eines Ruru-Hirsches? Und mit welchen Federn ist der Pfeil geschmückt? Sind sie von einem Reiher oder Falken? Und was ist mit dem Gift, das benutzt wurde? Ich möchte wissen, welche Art Gift es ist. Und wer ist der Mann überhaupt? Bist du sicher, dass er überhaupt ein qualifizierter Arzt ist? Nach alledem möchte ich nicht, dass mich ein Quacksalber behandelt. Ich denke, ich habe ein Recht all diese Dinge zu wissen, nicht wahr? Also beantworte bitte all diese Fragen oder ich werde dem Mann nicht erlauben, mich zu berühren.‘ Nun, sagte Buddha, bevor du alle deine Fragen zur Zufriedenheit beantwortet hast, wirst du tot sein.“

Also liebe Freunde, wenn Ihr an den Krankheiten dieser Welt leidet, dann vertraut dem großen Arzt. Er hat Millionen anderer geheilt. Welcher Gläubige ist jemals durch seine Pflege umgekommen? Welcher Gläubige hat die Auferstehung zum ewigen Leben und das Glück nicht erreicht, indem er seiner Therapie folgte? Keiner. Allen hat es genützt. Und auch für Euch ist es zum Besten, wenn Ihr Vertrauen in seine Methoden habt.

Vertrauen ist eine Fähigkeit, die man entwickeln kann. Wenn Ihr zum Beispiel einen Bohnenquark machen wollt, dann beginnt Ihr, Sojabohnen zu schälen und zu kochen, fügt eine Lösung aus Gipspuder oder Zitronensaft zu den gekochten Bohnen. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr dabeistehen und aufpassen, wie der Brei Gestalt annimmt. Ihr habt aber Vertrauen in Eure Methode, Brei zu kochen, denn sie funktioniert immer. Das gibt Euch das Gefühl der Sicherheit. Anders war das vielleicht, als Ihr das erste Mal den Bohnenbrei gekocht habt und Euch die Art der Zubereitung völlig unbekannt war und Ihr Zweifel an der Methode hattet. Ihr wart nicht sicher, ob Gips oder Zitronenwasser die gekochten Bohnen zu Quark werden lässt. Aber irgendwann hattet Ihr Erfolg und habt mit eigenen Augen gesehen, dass das Rezept richtig war und funktionierte. Ihr habt die beschriebene Methode akzeptiert und Euer Vertrauen in die Methode wurde damit begründet. Deshalb müssen wir alle Vertrauen haben, dass jeder von uns eine Buddha-Natur hat und ihr begegnen kann, wenn er nur fleißig auf dem rechten Pfad des Dharma folgt.

Wenn wir uns fürchten, sollten wir uns an Meister Yong Jias Worte erinnern, die in seinem Lied der Erleuchtung erhalten geblieben sind:

„In Tathagatas wahrer Welt gibt es keine Selbst, keine Regeln und keine Hölle. Keine Teufel des Samsara werden hier gefunden. Wenn ich lüge, könnt Ihr mir die Zunge herausreißen und mir den Mund mit Sand stopfen und das für alle Ewigkeit.“

Niemand hat Meister Yong Jias Zunge herausgerissen.

Mit Rücksicht auf die vierte Anforderung – unserer Bestimmung entsprechend entschlossen zu sein Erfolg zu haben, ganz gleich welche Methode wir wählen – lasst mich Euch vor der Narrheit warnen, von einer Methode zur anderen zu springen.

Denkt an das Dharma als an einen Berg, den Ihr erklimmen müsst. Es gibt viele Pfade, die zum Gipfel führen. Wählt einen und bleibt dabei. Er wird Euch schon ans Ziel bringen. Aber Ihr werdet niemals zum Gipfel gelangen, wenn Ihr um den Berg herumrennt, einen Pfad versucht, ihn aber dann wegen eines anderen verlasst, der einfacher aussieht. Ihr werdet den Berg mehrere Male umrunden, aber niemals erklimmen. Bleibt bei der gewählten Methode und vertraut ihr!

Im Chan erzählen wir immer Geschichten über erkaufte Teufel. Eine dieser Geschichten ist hier überaus passend.

Eines Tages schlenderte ein Bursche über den Markt als er an einen Stand kam über dem stand: „Zu verkaufen: Teufel – 1. Wahl“ Natürlich wurde der Mann neugierig. (Wärt Ihr es nicht geworden? Ich schon.) „Lass’ mich einen dieser Teufel sehen“, sagte er zu dem Händler.

Der Teufel war eine seltsame kleine Kreatur. Ein bisschen wie ein Affe. „Er ist wirklich ziemlich intelligent“, sagte der Händler, „und alles, was du tun musst, ist ihm jeden Morgen zu sagen, was er den Tag über tun soll und er wird es tun.“

„Alles?“, fragte der Mann.

„Ja“, sagte der Händler. „Alles. Alle deine Haushaltspflichten werden erfüllt sein, wenn du von der Arbeit nach Hause kommst.“

Nun, der Mann war Junggesellte uns so schien es, das der Teufel eine ziemlich gute Investition sein könnte. „Ich nehme ihn.“, sagte er und bezahlte den Händler.

„Da ist nur noch eine Kleinigkeit“, sagte der Händler. Es gibt immer eine Kleinigkeit, nicht wahr? „Du musst ihm gewissenhaft jeden Tag sagen, was zu tun ist. Du darfst es nie vergessen! Gib ihm seine Instruktionen jeden Morgen und alles ist gut. Vergiss es nicht!“

Der Mann nickte und nahm den Teufel mit nach Hause. Jeden Morgen sagte er ihm, er solle das Geschirr und die Wäsche waschen, das Haus putzen und das Essen kochen. Und wann immer er von der Arbeit kam, war alles auf die wunderbarste Weise erledigt.

Aber dann kam der Geburtstag des Mannes und seine Freunde auf Arbeit beschlossen, ihm eine Party zu geben. Er wurde sehr betrunken, blieb die Nacht über bei einem Freund in der Stadt und ging am nächsten Morgen direkt zur Arbeit. Er ging nicht noch einmal nach Hause, um dem Teufel zu sagen, was er tun soll. Und als er am Abend nach Hause kam, musste er feststellen, dass der Teufel sein Haus niedergebrannt hatte und um die brennenden Ruinen tanzte.

Ist das nicht ein Beispiel für das, was immer geschieht? Wenn wir mit einer Übung beginnen, schwören wir bei unserem Blute, dass wir treu daran festhalten werden. Aber wenn wir das erste Mal aufhören und die Angelegenheit vernachlässigen, hat das katastrophale Folgen. Es ist so, als hätten wir niemals überhaupt geübt.

Ganz gleich, ob Ihr den Pfad des Mantra oder Yantra oder das Atemzählen oder ein Hua Tou oder die Wiederholung des Namen Buddhas wählt. Bleibt bei Eurer Methode! Wenn sie heute nicht funktioniert, versucht es morgen wieder. Sagt Euch selbst, dass Ihr entschlossen seid, damit Ihr, falls Ihr Eure Übung im nächsten Leben fortführen müsst, es um des Erfolges willen tut. Der alte Meister Wie Shan sagte immer: „Bleib bei der von dir gewählten Übung. Nimm’ so viele Wiedergeburten wie du brauchst, um die Buddhaschaft zu erreichen.“

Ich weiß, man wird leicht entmutigt, wenn man glaubt, keine Fortschritte zu machen. Wir versuchen es immer wieder, aber wenn die Erleuchtung nicht kommt, wollen wir den Kampf aufgeben. Die Ausdauer ist selbst eine Leistung.

Seid standhaft und geduldig. Ihr seid nicht allein in Eurem Kampf. Getreu der alten Weisheit: „Wir üben endlose Äonen für die Erleuchtung, die in einem einzigen Augenblick erscheint.

Humming Bird